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Kreditanalysten glauben fest daran: War ein Unternehmen  in der Vergangenheit erfolgreich, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es auch künftig erfolgreich ist, als bei einem bislang eher erfolglosen Unternehmen. Darum ist die Jahresabschlussanalyse mit dem Blick in die Unternehmensvergangenheit für die Bank ein wichtigstes,  ja meist sogar das wichtigste Instrument zur Einschätzung der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens.

Die einzelnen Bilanzpositionen isoliert betrachtet, sagen allerdings noch gar nichts über Erfolg und Stabilität eines Unternehmens aus. Erst wenn diese Zahlen in Beziehung zueinander gesetzt,  also Kennzahlen gebildet werden, ergeben sich aussagefähige Informationen zur Unternehmenssituation.

Teil I – Kennzahlen zur Kapital- und Vermögensstruktur

 

Kennzahl : „Eigenkapitalquote“

Schlägt ein Banker die Bilanz auf, geht sein erster Blick in der Regel zur Position „Eigenkapital“. Die Eigenkapitalquote, als eine der zentralen Kennzahlen, setzt das Eigenkapital in Relation zur Bilanzsumme. Sie zeigt also, zu welchem Prozentsatz das Unternehmensvermögen mit Eigenkapital finanziert ist. Die Eigenkapitalquote lässt sich ganz einfach berechnen:

EKQuotet

 

 

Eigenkapital bleibt dauerhaft im Unternehmen. Anders als Fremdkapital muss es nicht zurückbezahlt werden und kann beispielsweise bei drohender Insolvenz auch nicht einfach zurückgefordert werden. Je weniger Zins- und Tilgungszahlungen das Unternehmen belasten, desto leichter lassen sich mögliche künftige Verluste auffangen.

Es gibt keine feste Regel, wie hoch die Eigenkapitalquote sein sollte. In der Praxis gilt ein Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von mindestens 30 % als solide finanziert.

Generell gilt: Je höher die Eigenkapitalquote, desto stabiler das Unternehmen.  Einen entsprechend hohen Einfluss hat die Eigenkapitalquote deshalb auf das Ratingergebnis.

Wie bei allen anderen Kennzahlen auch, ist die Höhe dieses Wertes branchenabhängig. Bei Produktionsunternehmen mit entsprechend hohem Anlagevermögen, wird eine höhere Eigenkapitalquote gefordert als bei reinen Dienstleistungs- und Handelsunternehmen.

Kennzahl: „Verschuldungsgrad“

Der Verschuldungsgrad eines Unternehmens berechnet sich aus dem Fremdkapital im Verhältnis zum Eigenkapital und verläuft konträr zur Entwicklung der Eigenkapitalquote. Steigt die Eigenkapitalquote sinkt der Verschuldungsgrad.

Verschuldung

 

 

Grundsätzlich gilt, je höher der Verschuldungsgrad eines Unternehmens desto abhängiger ist das Unternehmen von externen Gläubigern und entsprechend instabiler ist es.

Kennzahl : „Anlagenintensität“

Die Anlagenintensität sagt aus, wie flexibel ein Unternehmen auf Konjunkturschwankungen reagieren kann. Je niedriger der Anteil des Anlagevermögens, desto flexibler kann der Betrieb auf positive oder negative Auslastungsschwankungen reagieren.

Anlage

 

 

Werden Maschinen und Betriebsausstattungen nicht gekauft sondern geleast, erscheinen diese nicht im Anlagevermögen des Unternehmens sondern im Vermögen der Leasinggesellschaft. Dadurch sinkt im Unternehmen der Anteil des Anlagevermögens und folglich die Anlageintensität.

Kennzahl : „Deckungsgrad“

Die verschiedenen Deckungsgrade stellen einen Zusammenhang zwischen Kapitalstruktur und Vermögensstruktur der Bilanz her. Im Mittelpunkt steht der Grundsatz der Fristenkongruenz. Danach sollen langfristige Vermögensgegenstände wie Immobilien, Maschinen und Anlagen ausschließlich über Eigenkapital oder langfristige Darlehen finanziert werden.

Deckung

 

 

 

 

Der Deckungsgrad II sollte auf jeden Fall über 100 % liegen, damit auch noch ein „Bodensatz“ des Umlaufvermögens über langfristiges Kapital finanziert ist.  So ein  Sicherheitspuffer ist notwendig, da im Unternehmen permanent bestimmte Vorräte auf Lager gehalten werden müssen  und sich die Kunden mehr oder weniger Zeit mit dem Bezahlen der Rechnungen lassen.

Wichtiger Tipp:

Lassen Sie sich vom Kundenbetreuer Ihrer Bank deren Auswertung Ihrer Jahresabschlüsse erklären. Fragen Sie Explizit, wie Ihr Unternehmen im Branchenvergleich steht. Bei der Bankenauswertung ist eine Branchenauswertung dabei. Manchmal rückt die Bank sogar eine Kopie raus.

Teil II, Erfolgskennzahlen finden Sie hier.