Einen Kreditvertrag unterschreiben? Bei vielen löst allein der Gedanke ein beklemmendes Gefühl aus. Kredit bedeutet Risiko fürs Unternehmen. Zins und Tilgung belasten Ertrag und Liquidität. Bricht das Geschäft ein, können die zusätzlichen Belastungen zum Kampf ums Überleben werden.

Neben den grundsätzlichen Risiken verstecken sich im Kreditvertrag auch Stolperfallen, die als solche nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. So mancher hat sich schon verwundert die Augen gerieben, als aus vermeintlich unscheinbaren Vereinbarungen plötzlich folgenreiche Verpflichtungen wurden.

Sehen wir uns die drei häufigsten Fallstricke an. Ihre Konsequenzen zeigen sich erst, wenn sie zum Tragen kommen. Dann aber wird es für das Unternehmen gefährlich, weil es für Gegenmaßnahmen zu spät ist.

 

1.      MAC-Klausel

Material Adverse Change Klauseln werden Sie beinahe in jedem Kreditvertrag finden. Diese Vereinbarung berechtigt Banken, den Kredit fristlos zu kündigen, sofern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens verschlechtern.

Je nach Bank und Kreditkunden können die Regelungen erheblich voneinander abweichen. Sowohl was Inhalt als auch Gründe betrifft, mit denen Banken Kredite kündigen dürfen.

Auch wenn die Klausel manchmal nur im Kleingedruckten oder in den allgemeinen Darlehensbedingungen stehen, nutzen Banken dieses Recht regelmäßig. Dann wenn Gefahr droht, dass sie ihr Geld nicht zurückbekommen.

SchutzmaßnahmenSie als Verantwortliche/r im Unternehmen können dafür sorgen, dass es  gar nicht erst so weit kommt.

 

1.1.   Ist-Zustand dokumentieren

Welche Unterlagen und Informationen haben Sie der Bank im Rahmen der Kreditverhandlungen gegeben? Übermitteln Sie beides grundsätzlich per Post oder elektronisch. Dazu ein Begleitschreiben, in dem Sie die Unterlagen im Anhang aufführen.

Von wichtigen Gesprächen fertigen Sie ein Protokoll an und schicken es an die Bank. So kann diese nicht behaupten, sie hätte von bestimmten Sachverhalten nichts gewusst und sie als Grund für eine „wirtschaftliche Verschlechterung“ nennen.

 

1.2.   Vertrauensbildende Finanzkommunikation

Meist regeln Banken in den Kreditverträgen, wann und wie oft Sie von Unternehmen aktuelle Zahlen wollen. Schicken Sie die BWA (Betriebswirtschaftliche Auswertung) nicht kommentarlos an die Bank.

Ergänzen Sie die Zahlen um einen Abgleich mit den Planzahlen (Soll-/Ist-Vergleich). Erklären Sie negative Abweichungen und zeigen Sie mögliche Wege auf, wie Sie darauf reagieren können.

Gibt es Probleme im Unternehmen und es kann zu finanziellen Engpässen kommen, reden Sie rechtzeitig mit der Bank. Erfährt die Bank von den Problemen erst, wenn die Kreditlinien permanent überzogen sind, wird es schwer eine vernünftige Lösung zu finden.

 

1.3.   Zins und Tilgung pünktlich bezahlen

Zahlen Sie Zins und Tilgung nicht oder regelmäßig zu spät, hat die Bank einen Grund das Darlehen zu kündigen. Können Sie einzelne Raten nicht pünktlich bezahlen, sprechen Sie rechtzeitig mit der Bank.

LösungMit einem Plan in der Tasche, wann Sie die Raten bezahlen können.

Müssen Sie das Darlehen ungeplant kurzfristig zurückzahlen und Ihnen fehlt das Geld, steht die Insolvenz schon vor der Tür. Mit dem Vermerk einer Kreditkündigung in den Auskünften bekommen Sie auch von anderen Geldgebern keinen Kredit mehr.

Im Gegenteil: Anderen Banken werden die Kredite ebenfalls kündigen. Mit dem Hinweis, dass sich aufgrund der ersten Kreditkündigung die wirtschaftlichen Verhältnisse verschlechtert haben.

 

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2.      Financial Covenants

Financial Covenants geben Finanzkennzahlen vor, die das Unternehmen einhalten muss, solange der Kredit läuft.

Nachdem solche Vereinbarungen auf den ersten Blick keine direkten Konsequenzen haben, werden sie akzeptiert, ohne über die Folgen nachzudenken. Hauptsache der Kredit wird genehmigt.

Die Vereinbarungen haben es aber in sich. Das fängt damit an, dass nur Kennzahlen-Werte vereinbart werden, die realistisch zu erreichen sind. Außerdem muss die Basis, auf die sich die Kennzahlen beziehen, eindeutig definiert sein.

Werden die Kennzahlen nicht erreicht, die Convenants gerissen, reichen die Konsequenzen von Zinserhöhung über Forderungen nach zusätzlichen Sicherheiten bis hin zur sofortigen Kündigung des Kredits.

Was Sie tun sollten, damit Ihnen solche Vereinbarungen keine vermeidbaren Probleme machen, können Sie hier nachlesen: Financial Convenants: Stolpersteine den Kreditvertrag.

 

3.      Auszahlungsvoraussetzungen

FallstrickeIst der Kreditvertrag erstmal unterschrieben, läuft doch alles Weitere von selbst? Denken Sie vielleicht. Bevor das Geld tatsächlich ausbezahlt wird, hat die Bank aber die Auszahlungsvoraussetzungen gestellt.

Es gibt eine Reihe von Voraussetzungen, die selbstverständlich sind. Zum Beispiel, dass die Bank über die geforderten Sicherheiten verfügen kann.

Andere Regeln sind verzwickter:

 

3.1.   Geforderte Unterlagen

Dazu ein Praxisbeispiel: Ein Unternehmen wollte eine Maschineninvestition über ein Darlehen finanzieren. Der Kaufpreis für die Maschine war Ende Januar fällig. Als eine von mehreren Auszahlungsvoraussetzungen wollte die Bank den testierten Jahresabschluss des Vorjahres haben. Das war in der kurzen Zeit keinesfalls zu schaffen.

Das Unternehmen hat den Kreditvertrag nicht unterschrieben. Wir haben fieberhaft nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten gesucht und rechtzeitig gefunden.

 

3.2.   Reihenfolge des Kapitaleinsatzes

Sollen für eine Investition verschiedene Finanzierungsmittel eingesetzt werden, verlangen Banken gerne, dass andere Finanzierungspartner vor ihnen zahlen. Eigenkapital – klar, muss als erstes fließen.

Aber auch die Geldgeber von Nachrangdarlehen und stillen Beteiligungen sind vorrangig gefragt. Von denen bekommen Sie das Geld auch erst, wenn deren Bedingungen erfüllt sind. So kann es passieren, dass das gesamte Finanzierungskonstrukt zusammenbricht. Weil die Auszahlungsvoraussetzungen einzelner Geldgeber gegeneinander stehen und die Gesamtfinanzierung nicht mehr gesichert ist.

 

Schauen Sie sich genau an, ob Sie alle Auszahlungsvoraussetzungen erfüllen können, bevor Sie das Geld brauchen. Sind die Zahlungen fällig und die Bank rückt das Geld nicht rechtzeitig raus, stehen Sie mit dem Rücken zur Wand und müssen zumindest Nachteile von Ihren Vertragspartnern hinnehmen.

 

Fazit

Lesen Sie sich den Kreditvertrag samt allen Anlagen immer genau durch, bevor Sie unterschreiben. Scheuen Sie sich nicht hartnäckig nachzufragen, wenn Ihnen Sinn und Konsequenzen einzelner Punkte nicht eindeutig klar sind. Zu diesem Zeitpunkt können Sie noch mögliche Alternativen prüfen.

Pochen Sie darauf, dass Regelungen eindeutig sind und alle von den gleichen Voraussetzungen ausgehen. Treffen Sie entsprechende Vorsorge, dass Klauseln, die Sie akzeptieren müssen, gar nicht erst zum Tragen kommen.

 

 

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Elfriede Hübner ...

Elfriede Hübner ...

… hilft Wachstums-Unternehmen die passende Finanzierung zu bekommen. Dabei legt sie besonderen Wert auf überzeugende Kreditunterlagen.

Sie meint: Der erste Eindruck muss sitzen, sonst ist die Chance vertan.

Erfahrung hat sie im Firmenkreditgeschäft bei Banken gesammelt. Sie war selbst für Kreditentscheidungen verantwortlich und weiß was Banker brauchen, um Kredite genehmigen zu können.