09187-95 67 310 huebner@kreditexpertin.de
Working-Capital: Was kann die Kennzahl und welche Alternativen gibt es?

Working-Capital: Was kann die Kennzahl und welche Alternativen gibt es?

Die Kennzahl „Working-Capital“ gehört zu den Bilanzkennzahlen und zeigt die statische Liquidität eines Unternehmens zum Bilanzstichtag auf. Statische Liquidität deshalb, weil Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens nur zu einem bestimmten Stichtag widerspiegelt.

 

Working-Capital berechnen

Die Kennzahl drückt die Differenz zwischen dem Umlaufvermögen (flüssige Mittel, kurzfristige Forderungen und Vorräte) und den kurzfristigen Verbindlichkeiten (Laufzeit maximal ein Jahr) eines Unternehmens aus.

 

Working Capital = Umlaufvermögen – kurzfristige Verbindlichkeiten)

 

Aber welche Schlüsse lassen sich aus der Tatsache ziehen, dass das errechnete Working Capital beispielsweise 200.000 € beträgt? Die Zahl ist positiv. Daraus können Sie schließen, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten niedriger sind als das Umlaufvermögen. Andernfalls wären kurzfristige Finanzmittel in langfristigem Anlagevermögen gebunden. Was bewährten Finanzierungsregeln widerspricht.

 

Working-Capital-Ratio (WCR)

Konkreter wird diese Kennzahl:

 

Working-Capital-Ratio = (Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten) x 100 %

 

Die WCR sollte immer größer als 100 % sein.  Liegt sie darunter, sind die kurzfristigen Verbindlichkeiten größer als das Umlaufvermögen. Dann ist ein Teil des langfristigen Anlagevermögens kurzfristig finanziert. Und das kann für das Unternehmen gefährlich werden. Müssten kurzfristige Verbindlichkeiten plötzlich zurückgeführt werden, stände dem zu wenig kurzfristig liquidierbares Umlaufvermögen gegenüber.

Bei einer WCR von beispielsweise 115 % ist nicht nur das Anlagevermögen komplett langfristig finanziert, sondern auch noch 15 % des Umlaufvermögens, da die kurzfristigen Verbindlichkeiten um 15 % niedriger sind als das Umlaufvermögen. Das spricht für eine stabile Unternehmensliquidität. Es gibt immer einen gewissen Bodensatz an Forderungen und Vorräten, die dauerhaft im Unternehmen gebunden sind und denen deshalb auch immer ein langfristiger Finanzierungsanteil gegenüberstehen sollte.

 

 

Konkrete Ansätze zur Optimierung des Umlaufvermögens

 

Die Kennzahl WCR lässt keine Rückschlüsse auf die einzelnen Positionen des Umlaufvermögens zu. Dagegen liefern Kennzahlen mit direktem Bezug – zum Beispiel als Relation zu den Positionen Vorräten oder Forderungen – auf Anhieb die notwendigen Informationen.

Beispiele gefällig? Bitte schön!

 

Zu den Vorräten

Wenn Sie wissen möchten, wie hoch die Materialbestände durchschnittlich im Unternehmen gebunden sind, schauen Sie sich folgende Kennzahl an:

 

Lagerdauer RHB* = (Bestand RHB / Materialeinsatz) x 360 Tage

(RHB* = Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe)

 

Die Kennzahl Lagerdauer Fertigwaren zeigt, für welchen Zeitraum das Unternehmen auf Vorrat produziert hat.

 

Lagerdauer Fertigwaren = (Bestand an fertigen Waren / Umsatzerlöse) x 360 Tage

 

Wie lange Material und Fertigwaren vorgehalten werden sollen, lässt sich pauschal nicht sagen. Der Zeitraum hängt zum einen davon ab, wie schnell das notwendige Material geliefert werden kann. Zum anderen, welche Lieferbedingungen die eigenen Kunden fordern. Eine Möglichkeit zur Orientierung sind die Wettbewerber. Je größer das Unternehmen, desto detailliertere Zahlen müssen sie im Elektronischen Bundesanzeiger veröffentlichen. Daraus lassen sich die Vergleichskennzahlen nach den aufgeführten Formeln errechnen und mit den eigenen Werten vergleichen. Im Zweifelsfall gilt aber: Liquidität geht vor Rentabilität, also möglichst wenig Lagerbestände.

 

Zu Forderungen aus Lieferung und Leistung

Nach meinen Erfahrungen aus vielen Beratungseinsätzen verschenken Unternehmen besonders viel kostbare Liquidität und damit auch Geld, weil sie ihren Kunden zu lange Zeit lassen bis sie diese Rechnungen tatsächlich bezahlen müssen. Das beginnt damit, dass Rechnungen nicht sofort geschrieben werden. Zahlungseingänge werden nicht konsequent überwacht und Mahnungen zu spät geschrieben. So vergeht viel zu viel Zeit, bis mit das Geld der Kunden auf dem eigenen Konto ist.

Das Debitorenziel, also die Zeit die durchschnittlich vergeht, bis die Rechnungen von den Kunden bezahlt werden, wird nach dieser Formel berechnet:

 

Debitorenziel = (Kundenforderungen / Umsatzerlöse) x 360 Tage

 

Hohe Debitorenbestände und Forderungen, die schon lange überfällig sind, belasten die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens. Zudem verschlechtern sie die Ratingeinstufung und damit die Kreditwürdigkeit.

Zum eigenen Zahlungsverhalten

Ein erfolgreiches Working-Capital Management setzt auch darauf, dass die Rechnungen der eigenen Lieferanten möglichst spät bezahlt werden. Solange kann das Geld an anderer Stelle arbeiten. Wer lieber die eigenen Lieferanten belastet und deren Rechnungen möglichst spät überweist, zahlt am Ende drauf. Der Verzicht von 2 % Skontoabzug, um dann erst vier Wochen später zu bezahlen, entspricht einem Kreditzins von 24 % pro Jahr.

Dazu kommt, dass Lieferanten durch die Zahlungsverzögerungen selbst in finanzielle Schwierigkeiten kommen können. Bei Engpässen werden deshalb bevorzugt die Kunden beliefert, die pünktlich bezahlen.

Das eigene Kreditorenziel sollte nicht höher als die branchenüblichen Zahlungsfristen sein. So wird es berechnet:

 

Kreditorenziel = (Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung / (Material + Fremdleistungen)) x 360 Tage

 

Ein hoher Bestand an Lieferantenverbindlichkeiten ist auch für Kreditanalysten ein schlechtes Zeichen. Wer seine Geschäftspartner finanziell belastet, bekommt wohl keinen regulären Kredit mehr – so deren Einschätzung.

Fazit

Die Kennzahl Working-Capital informiert nur darüber, ob das Unternehmen zu einem bestimmten Zeitpunkt zahlungsfähig ist. Es zeigt nicht auf, an welcher Stelle des Finanzierungskreislaufes es knirscht. Dafür bietet die Analyse der Kennzahlen Lagerdauer RHB, Lagerdauer Fertigwaren, Debitorenziel und Kreditorenziel tiefgründigere Einblicke.

Mit welchen Kennzahlen arbeiten sie bei der Analyse Ihres Unternehmens am liebsten? Hinterlassen Sie Ihre Meinung gerne in den Kommentaren.Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

EBIT und EBITDA: Was ist das eigentlich?

EBIT und EBITDA: Was ist das eigentlich?

Kennen Sie die Antwort, wenn Ihre Banker von Ihnen wissen wollen, wie sich der EBIT entwickelt hat? Oder wenn sie der Meinung sind, dass das EBITDA für einen weiteren Kredit nicht ausreicht? Keine Sorge: Sollten Sie jetzt nur große Fragezeichen vor Augen haben, stehen Sie damit ganz bestimmt nicht alleine da. Wenn Sie aber diesen kurzen Artikel fertig gelesen haben, können Sie im nächsten Kreditgespräch bei diesen Bemerkungen ganz souverän kontern. (mehr …)

Die SWOT-Analyse – so einfach wie effektiv!

Die SWOT-Analyse – so einfach wie effektiv!

Das Alltagsgeschäft nimmt die meisten Unternehmer so in Anspruch, dass kaum Zeit und Energie bleibt, sich mit der strategischen Unternehmensplanung zu beschäftigen. Diese Aufgabe ist eine Herausforderung, die sich nicht schnell zwischen Tür und Angel erledigen lässt. Außerdem … wo anfangen und wo aufhören? (mehr …)