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Bei inhabergeführten Unternehmen ist es eher die Regel als die Ausnahme: Das Stammkapital ist relativ niedrig, dafür leihen die Unternehmer ihrem Unternehmen immer wieder privat Geld. Diese Gesellschafterdarlehen sind zwar defacto Haftkapital, werden in der Bilanzanalyse der Banken aber ganz normal als Fremdkapital gewertet.

Für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit des Unternehmens wäre es aber deutlich besser, wenn diese Gelder als Eigenkapital eingestuft werden könnten. Mit einer Rangrücktrittserklärung des Darlehensgebers (in diesem Fall also des Gesellschafters) kann ein Gesellschafterdarlehen auch noch im Nachhinein in haftendes Kapital oder – wie es bei Banken heißt – in „eigenkapitalähnliche Mittel“ umgewandelt werden.

 

Was ist zu tun?

In einer schriftlichen Rangrücktrittserklärung verpflichtet sich der Darlehensgeber sinngemäß, mit seiner Forderung im Rang hinter alle anderen Gläubiger des Unternehmens zurückzutreten. Das heißt, die Rückzahlung von Darlehen mit Rangrücktrittsklausel kann erst gefordert werden, wenn die Forderungen aller anderen Gläubiger befriedigt sind. Mit Einführung des MoMiG (Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen) werden keine besonderen Anforderungen mehr an eine Rangrücktrittserklärung gestellt. Gesellschafterdarlehen gelten seitdem im Insolvenzfall ohnehin als Haftkapital.

Muster für Rangrücktrittserklärungen finden sich zum freien Download im Internet. Wer sicher gehen will, nicht in eine Steuerfalle zu tappen, sollte den Inhalt der Rangrücktrittserklärung mit dem Steuerberater abstimmen.

Nach meinen Beobachtungen rechnen die meisten Banken auch heute noch Gesellschafterdarlehen nur dann dem wirtschaftlichen Eigenkapital zu, wenn explizit ein Rangrücktritt vereinbart ist.

 

Die Konsequenzen

Die Auswirkungen auf die Kapitalstruktur lassen sich in einem einfachen Beispiel veranschaulichen.

Nehmen wir an, ein Unternehmen weist eine Bilanzsumme von 1.000 T€, ein Stammkapital von 50 T€ und Gesellschafterdarlehen über 250 T€ aus.

Ohne Einbeziehung des Gesellschafterdarlehen hat beträgt die Eigenkapitalquote lediglich 5% (50 T€ / 1.000 T € x 100).

Mit Einbeziehung des Gesellschafterdarlehens steigt die Eigenkapitalquote  auf 30% ((50 T€ + 250 T€) / 1.000 T€ x 100).

Die Höhe der Eigenkapitalquote hat einen entscheidenden Einfluss auf das Ratingergebnis. Mit einer Eigenkapitalquote von 30 % gelten auch produzierende Unternehmen gemeinhin als eigenkapitalstark. Eine Eigenkapitalquote von 5 % dagegen würde sehr kritisch bewertet. Also verbessert sich mit der Eigenkapitalquote auch die Ratingbeurteilung. Damit werden Kreditfinanzierungen einfacher und zu günstigeren Konditionen möglich.

 

 

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