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Nehmen wir an Sie wollen sich ein neues Auto kaufen. Vielleicht haben Sie ja schon ein bestimmtes Modell im Blick. Wenn nicht, werden Sie vermutlich erstmal Prospekte verschiedener Hersteller studieren und die Anforderungen an den neuen Wagen genau definieren. Ob es ein sportliches Cabrio oder doch eher ein familientauglicher Kombi werden soll, hängt von Ihrer ganz persönlichen Situation ab.

„Das ist doch selbstverständlich…“ werden Sie jetzt vielleicht denken. Leider gar nicht selbstverständlich ist so ein Vorgehen für manche Unternehmer, wenn es darum geht die passende Finanzierung für ihre Vorhaben zu bekommen. Stehen Investitionen an oder ist die Kreditlinie mal wieder bis zum Anschlag beansprucht, wird einfach bei der Bank angerufen und nach einem Kredit gefragt. Solche Anfragen zeigen dem Banker, wie blauäugig der Unternehmer an dieses wichtige Thema herangeht. Wenn er alle seine Geschäfte so führt… So landet die Anfrage schnell ganz unten im Stapel und damit in Vergessenheit. Auf Nachfrage kommt dann nicht selten eine Ablehnung der Finanzierung.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Ihren Finanzierungswunsch von Anfang an professionell kommunizieren und bekommen einen Überblick über die wichtigsten Kreditfinanzierungen. Damit steigern Sie Ihre Chancen von Anfang an, dass Sie das notwendige Geld tatsächlich auch bekommen.

 

Die richtigen Ansprechpartner

Falls Sie von Ihrer Bank bereits einen Unternehmenskredit bekommen haben, kennen Sie ja die für Sie zuständigen Betreuer. An den oder die schicken Sie direkt Ihren Finanzierungswunsch mit den notwendigen Unterlagen.

Hat Ihr Unternehmen bisher noch keinen Kredit gebraucht? Dann machen Sie bitte nicht den Fehler einfach in der Filiale nachzufragen, bei der Sie Ihr Geschäftskonto führen. Besser, Sie erkundigen sich direkt in der regionalen Zentrale Ihrer Bank, wer dort für Ihr Unternehmen zuständig ist. Kreditanträge von Unternehmen werden nämlich nicht in der Filiale sondern in der Zentrale bearbeitet.

Ihren Finanzierungswunsch schicken Sie zusammen mit den Unternehmen-Unterlagen direkt an die zuständige Kundenbetreuung oder zumindest an die zuständige Abteilung. Eine Checkliste, welche Unterlagen Sie mit dem Finanzierungsantrag einreichen sollten, können Sie sich hier herunterladen.

 

Überzeugende Unterlagen

Wenn Ihr Finanzierungsantrag gleich auf dem richtigen Schreibtisch landet, haben Sie schon die erste Hürde übersprungen und Zeit gewonnen. Jetzt kommt es auf Ihre Unterlagen an. Jeder der schon mal aus einem Berg unsortierter Unterlagen herausfinden musste, um was es eigentlich genau geht, weiß wie mühsam und unerfreulich diese Arbeit ist. Dafür haben die Mitarbeiter in den Kreditabteilungen schlichtweg keine Zeit. Lieber gleich ablehnen. Zehn verweigerte Kredite sind für die Bank allemal billiger als ein ausgereichter, der nicht zurückbezahlt werden kann.

Sorgen Sie dafür, dass bereits aus den ersten Seiten Ihrer Unterlagen hervorgeht, warum es für die Bank interessant ist mit ihrem Unternehmen zusammenarbeiten. Wie Sie Ihr Unternehmen ins richtige Licht stellen, können Sie hier [klicken] nachlesen. Die darin beschriebenen Punkte sind „Pflichtangaben“.
Jetzt werden wir uns mit der „Kür“ beschäftigen. Selbstverständlich ist, dass Sie genau beschreiben, wofür Sie das beantragte Geld genau brauchen. Schlagen Sie zusätzlich eine passende Finanzierungsmöglichkeit vor, stechen Sie aus der Masse heraus. Damit qualifizieren Sie sich als Verhandlungspartner auf Augenhöhe.

 

Die passende Finanzierung

Nicht ohne Grund fordert die Goldene Bilanzregel, dass langfristiges Vermögen (Anlagevermögen) auch langfristig finanziert und kurzfristiges Vermögen (Umlaufvermögen) kurzfristig finanziert werden soll. Durch diese sogenannte „fristenkongruente Finanzierung“ werden einerseits Finanzierungslücken vermieden, da für die langlebigen (und teuren) Wirtschaftsgüter keine adäquaten Anschlussfinanzierungen notwendig werden. Andererseits sichert die überwiegend kurzfristige Finanzierung des Umlaufvermögens die notwendige Flexibilität bei der Ausnutzung der Kreditlinien.

 

Langfristige Investitionen

Investitionen ins Anlagevermögen werden prinzipiell über langfristige Darlehen finanziert. Je langlebiger das Investitionsgut, desto langfristiger die Finanzierung. So sind bei Betriebsimmobilien Darlehenslaufzeiten zwischen zehn und dreißig Jahren üblich. Bei der Finanzierung von Maschinen und Anlagen sollte die Darlehenslaufzeit in etwa dem Abschreibungszeitraum des Investitionsgutes entsprechen. In der Regel laufen Maschinenfinanzierungen zwischen fünf und acht, in Einzelfällen auch bis zu zehn Jahren.

Bei solchen Investitionsfinanzierungen lohnt es sich die Fördermöglichkeiten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und der Bayerischen Förderbank (LfA) – bzw. der zuständigen Förderbanken in den anderen Bundesländern – zu prüfen. Banken bieten von sich aus diese Kredite – vorsichtig ausgedrückt – nur zögerlich an. Die Marge sind geringer und der Arbeitsaufwand meist höher als bei eigenen Mitteln. Planen Sie diese Mittel von sich aus ein, kann die Bank schon nicht mehr kommentarlos darüber hinweg gehen. Ich erlebe es regelmäßig, dass Banken dann entweder die gewünschten Fördermittel beantragen oder eigene Darlehen zu vergleichbaren Konditionen anbieten.

 

Schwankender Finanzierungsbedarf

Arbeitet Ihr Unternehmen erfolgreich und die Umsätze steigen, müssen mehr Waren eingekauft und zusätzliche Mitarbeiter eingestellt werden. Sie brauchen also mehr Geld um Ihre Aufträge vorzufinanzieren. Außerdem zahlen manche Kunden schnell, andere lassen sich Zeit – manchmal brauchen Sie deshalb mehr, manchmal weniger Geld. Diesen schwankenden Finanzierungsbedarf können Sie am besten über eine Kontokorrentkreditlinie abdecken.
Immer wieder bieten Banken stattdessen Darlehen zur Finanzierung der Betriebsmittel an, insbesondere wenn keine kontinuierlich hohe Auslastung der Betriebsmittellinie zu erwarten ist. Grundsätzlich ist es sinnvoll, einen gewissen „Bodensatz“ an Forderungen und Vorräten ebenfalls langfristig zu finanzieren. Wird das Umlaufvermögen aber ganz oder zu einem großen Teil mittels Darlehen finanziert, hat das folgende Nachteile:

1. Der Zinssatz des Darlehens ist zwar auf den ersten Blick günstiger als der einer Kontokorrentkreditlinie. Aber: Darlehen lassen keine flexible Auslastung wie eine Kontokorrentlinie zu. Außerplanmäßige Rückzahlungen sind mit hohen Kosten verbunden.

2. Gerade bei steigenden Umsätzen benötigt das Unternehmen kurzfristig mehr Geld. Bei einem Darlehen gibt es keine Reserven in der Kreditlinie. Im Gegenteil: Durch die fälligen Tilgungen wird die Unternehmensliquidität zusätzlich belastet.

 

Saisonaler Finanzierungsbedarf

Sind Sie beispielsweise Hersteller von Christbaumschmuck, produzieren Sie vermutlich im ersten Halbjahr nur und verkaufen nichts. Sie müssen also die Betriebskosten für mehrere Monate aus der eigenen Tasche vorfinanzieren. Die Erlöse daraus kommen erst viel später.
Die wenigsten Unternehmen haben dafür den finanziellen Spielraum. In diesem Fall ist ein Saisonkredit die richtige Wahl. Mit einem kurzfristig ausgerichteten Darlehen, das nach und nach ausbezahlt wird, lässt sich dieser Finanzierungsbedarf überbrücken. Sind die vorproduzierten Waren dann verkauft, wird mit den Verkaufserlösen das Darlehen komplett zurückbezahlt.

 

Informieren und vergleichen

Insgesamt sind die Ansprüche an eine passende Unternehmensfinanzierung mindestens so anspruchsvoll wie an ein passendes Auto. Und die Finanzierungsalternativen können es mit der Modellvielfalt der Automobilindustrie durchaus aufnehmen. Hier wie da gilt: Informieren und vergleichen lohnt sich! Wenn Sie sich intensiver mit dem Thema befassen wollen, finden Sie hier einen detaillierteren Überblick der Finanzierungsmöglichkeiten. Zu den dort vorgestellten Finanzierungsformen gibt es noch unzählige Varianten. Sprechen Sie mich gerne an, wenn Sie weitere Informationen oder Unterstützung zu dem Thema wünschen.