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Egal ob Sie als Freiberufler, Einzelunternehmer oder als Unternehmen einen Kredit brauchen. Die Bank interessiert vor allem eins: Sind Sie bzw. Ihr Unternehmen in der Lage, die fälligen Zins- und Tilgungsleistungen für die Kredite aus den laufenden Einnahmenüberschüssen zuverlässig zu bezahlen? In der Sprache der Banker heißt das: Ist die Kapitaldienstfähigkeit gegeben?

Bei der Berechnung der Kapitaldienstfähigkeit werden die gesamten Zins- und Tilgungsverpflichtungen aus allen Krediten ins Verhältnis zur Kapitaldienstgrenze des Unternehmens gesetzt. Die Kapitaldienstgrenze errechnet sich aus den Einnahmenüberschüssen, die nach Abzug aller Betriebskosten (mit Ausnahme der Zinsen) übrigbleiben.

4 wichtige Gründe, warum Sie Ihre Kapitaldienstfähigkeit berechnen sollten

Natürlich berechnet die Bank immer selbst die Kapitaldienstfähigkeit ihrer Kunden. Trotzdem sollten Sie das aber auch tun – und zwar bevor Sie in Kreditverhandlungen gehen. Dafür gibt es gute Gründe:

1. Sie stellen bereits im Vorfeld sicher, dass die gewünschte Finanzierung zu den geplanten Einnahmen passt. Sollte dies nicht der Fall sein haben Sie genug Zeit um Kosteneinsparungen zu prüfen oder nach alternativen Investitions- und Finanzierungsmöglichkeiten zu suchen.

2. Sie gewährleisten, dass alle maßgeblichen Einnahmen und Ausgaben in der Berechnung korrekt berücksichtigt werden. Sollte die Bank Ihren Ausführungen nicht zustimmen, muss sie dies zumindest begründen und kann Ihre Argumente nicht einfach unter den Tisch fallen lassen.

3. In der Kreditabteilung genügt ein Blick auf Ihre Unterlagen um zu sehen, dass die Kapitaldienstfähigkeit rechnerisch gegeben ist. Das erhöht die Chance, dass Ihr Antrag zügig bearbeitet wird.

4. Sie können sich als sorgfältiger Kaufmann präsentieren, der sich im Vorfeld konkrete Gedanken zur Finanzierung und den damit verbundenen Belastungen gemacht hat. Das bringt Pluspunkte im Ratingverfahren.

So gehen Sie vor – Schritt für Schritt

Die Berechnung von Kapitaldienstgrenze und Kapitaldienstfähigkeit macht natürlich mit Blick in die Zukunft mehr Sinn als rückwärts betrachtet. Auch aus diesem Grund verlangen Banken inzwischen obligatorisch Umsatz- und Ertragsplanungen von ihren Kreditnehmern.

Wichtig dabei ist, dass die Planungsprämissen plausibel und im Hinblick auf den bisherigen Geschäftsverlauf begründet sind. Werden deutliche Umsatz- und Ertragssteigerungen gegenüber den vergangenen Jahren angenommen, braucht es dafür schon sehr gute und einsichtige Begründungen.

Die Berechnung der Kapitaldienstgrenze ist dann auch für Sie als (künftiger) Kreditnehmer kein großer Aufwand mehr, zeigt Ihnen aber, welche zusätzlichen Kreditbelastungen das Unternehmen noch tragen kann.

Dazu habe ich ein Excel-Arbeitsblatt vorbereitet, dass Sie sich hier klicken  ohne Anmeldung herunterladen können. Und so gehen Sie vor:

1. Schritt: Kapitaldienst ermitteln

Listen Sie alle bestehenden und geplanten Finanzierungen auf – mit Zinssatz und Tilgungsdauer. Daraus wird automatisch der jährliche Kapitaldienst berechnet. Orientieren Sie sich für die neu beantragten Darlehen ruhig an den Konditionen des LfA- Universalkredits. Der Universalkredit passt fast immer und Sie können damit die angesetzten Zins- und Tilgungssätze begründen. Wenn Sie für Ihr Vorhaben günstigere Förderkredite finden, dann natürlich diese konkret aufführen. Die Summe aller Zins- und Tilgungsverpflichtungen bilden den Kapitaldienst.

2. Schritt: Kapitaldienstgrenze ermitteln

Ermitteln Sie den Anteil der laufenden Einnahmen, der für den Kapitaldienst zur Verfügung steht. Dazu müssen Sie nur im vorbereiteten Excel-Arbeitsblatt die entsprechenden Positionen aus Ihren Planungen übertragen.

Zur Berechnung der Kapitaldienstgrenze werden von der betrieblichen Gesamtleistung (Umsatz + Bestandsveränderungen) die Betriebskosten abgezogen. Sie erhalten so das Betriebsergebnis. Die Abschreibungen addieren Sie wieder dazu, da sie lediglich einen Aufwand abbilden, der keine unmittelbaren Zahlungen nach sich zieht. So erhalten Sie die aus der nachhaltigen Unternehmenstätigkeit erwirtschafteten Mittel, den Cashflow.

Achtung: Wenn Sie Freiberufler oder Inhaber einer Einzelfirma sind dürfen Sie die Privatausgaben nicht vergessen.

3. Schritt: Kapitaldienst zur Kapitaldienstgrenze ins Verhältnis setzen

Haben die Berechnungen nach dem gerade beschriebenen Schema eine Kapitaldienstgrenze von beispielsweise 10.000 € ergeben, wäre bei einem jährlichen Kapitaldienst von 7.000 € die Kapitaldienstgrenze zu 70 % ausgeschöpft.

Die prozentuelle Ausschöpfung der Kapitaldienstgrenze ist die Kennzahl, mit der die Kapitaldienstfähigkeit im Allgemeinen ausgedrückt wird.

Besonderheiten, die es zu beachten gilt:

Grundsätzlich berechnen zwar alle Banken die Kapitaldienstfähigkeit nach dem vorgestellten Prinzip. Im Detail gibt es allerdings Unterschiede mit teils gravierenden Auswirkungen.

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Höhe der Auslastung

Kaum eine Bank wird bei einer rechnerisch 100-prozentigen Auslastung der Kapitaldienstgrenze Kredite genehmigen. Auch bei noch so sorgfältiger Planung lässt sich die Zukunft nicht haargenau abbilden. Daher muss ein finanzieller Spielraum für Unvorhergesehenes eingeplant werden.

Eine 70-prozentige Auslastung wird gemeinhin akzeptiert. Mithin akzeptieren Banken auch höhere Auslastungen. Das hängt zum Teil von der konkreten Situation des Unternehmens ab. Wie entwickelt sich die Kapitaldienstbelastung? Wird sie kurzfristig geringer? Wie sieht das Gesamtrating aus? Wie wird sich der Absatzmarkt voraussichtlich entwickeln? Welche Sicherheiten werden gestellt?

Einbeziehung der Abschreibungen

Nicht alle Banken akzeptieren, dass die Abschreibungen zur Berechnung der Kapitaldienstgrenze herangezogen werden. Manche ziehen sie ganz oder teilweise wieder ab. Mit dem Argument, dass diese ja für die Wiederbeschaffung von Anlagen und Maschinen gedacht seien.

Hier können Sie mit einem Investitions- und Finanzierungsplan gegen halten. Abhängig von der aktuellen Eigenkapitalsituation des Unternehmens können Neuinvestitionen zumindest teilweise wieder über Darlehen finanziert werden. Der Eigenkapitalanteil kann bei Ersatzinvestitionen beispielsweise aus dem Verkaufserlös der zu ersetzenden Güter kommen. Bei Neuinvestitionen ziehen Sie den Eigenkapitalanteil – sofern es keine Einlagen gibt – von der Kapitaldienstgrenze ab.

Den Kapitaldienst für neuen Investitionsdarlehen müssen Sie dann natürlich auch bei der Berechnung der künftigen Kaitaldienstfähigkeit berücksichtigen.

Rückführung von KK-Linien

Es gibt Banken, die unterstellen, dass die KK-Linien über einen festgelegten Zeitraum zurückgeführt werden müssen und vermindern die Kapitaldienstgrenze um den entsprechenden Betrag. Dafür habe ich kein Verständnis.

KK-Linien müssen meiner Meinung nach nur zurückgeführt werden können, wenn alle Vorräte verkauft sind und die Kunden ihre Schulden bezahlt haben. Diese Situation ist aber nur realistisch, wenn das Unternehmen schließt.

Aber wenn Unternehmen wachsen und der Umsatz steigt, muss auch mehr vorfinanziert werden. Mehr Wareneinsatz. Mehr Löhne und Gehälter. Mehr unbezahlte Kundenrechnungen. Warum in dieser Situation KK-Linien zurückgeführt werden sollen, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Nach meiner Erfahrung bringt es aber nichts, in diesem Punkt mit den Mitarbeitern der Kreditabteilung zu diskutieren. Die müssen ihre Richtlinien befolgen. Da hilft nur, sich an eine andere Bank zu wenden, die diese Vorgaben nicht hat.

Fazit

Mit dem vorbereiteten Excel-Arbeitsblatt ist es kein großer Aufwand, die Planrechnungen um die Berechnung der Kapitaldienstfähigkeit zu ergänzen. Damit wissen Sie von vornherein, inwieweit Ihr Unternehmen weitere Darlehen bedienen kann. Selbst wenn die Bank mit ihren Berechnungen zu einem anderen Ergebnis kommt, haben Sie zumindest eine fundierte Diskussionsgrundlage und können sich gegebenenfalls rechtzeitig nach anderen Geldgebern oder Finanzierungsalternativen umsehen.

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