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Die letzten Jahre waren nicht leicht für die Elektronik GmbH (Anm.: alle Namen sind frei erfunden). Der Wettbewerb in der Elektronikindustrie ist hart und die neuartigen Bauteile wurden von den Kunden nur zögernd angenommen. Aber 2011 kam endlich der Durchbruch. Der Umsatz schnellte in die Höhe und unterm Strich blieb für das Unternehmen ein ansehnlicher Gewinn. „Ist ja alles schön und gut“ so Firmenchef Erich Müller „aber wo ist das Geld eigentlich geblieben? Die Kreditlinien sind permanent ausgeschöpft und ich verbringe mehr und mehr Zeit damit, die fälligen Zahlungen zu koordinieren“.

Diese Situation ist gerade in Wachstumsphasen, in denen der Umsatz stark steigt, für viele Unternehmen typisch. Bei der Suche nach dem Geld hilft ein Blick in die Bilanz. Dabei fällt insbesondere der deutliche Anstieg der Kundenforderungen auf –  so auch bei der Elektronik GmbH.

„Mit der Bank habe schon gesprochen“ meinte Herr Müller “aber die will die Kreditlinien nicht erhöhen. Die Forderungen sind für sie als Sicherheit nichts wert und wegen der schwachen Vorjahresergebnisse stuft sie die Kreditwürdigkeit unserer Firma niedrig ein.“ Diese Situation hätte für die Elektronik GmbH leicht zur Existenzbedrohung werden können.

Insbesondere in Wachstumsphasen interessant!

Gerade für wachstumsstarke Unternehmen mit guter Auftragslage aber knapper Liquidität kann Factoring eine interessante Finanzierungsalternative sein.  Beim Factoring verkaufen Unternehmen ihre Kundenforderungen an eine Factoringgesellschaft (Factor) und erhalten von dieser in der Regel binnen 48 Stunden nach Rechnungsstellung ihr Geld. In den letzten Jahren sind die Angebote der einzelnen Anbieter deutlich flexibler geworden und es lohnt sich auch für mittelständische Unternehmen, sich mit dem Thema Factoring zu beschäftigen.

Angebote genau vergleichen!

Große Unterschiede gibt es bei den Kosten. Hier hilft nur, alle Konditionenbestandteile sorgfältig aufzunehmen, durchzurechnen und die Ergebnisse zu vergleichen.

Aber auch bei anderen Punkten gilt es die Augen offen zu halten. Während einige Factoringgesellschaften prinzipiell nur alle Kundenforderungen ankaufen, ist bei anderen eine Selektion der Forderungen möglich.

In der Regel zahlt der Factor auch nicht sofort den gesamten Forderungsbetrag abzüglich der Kosten aus, sondern behält einen Teil bis zur vollständigen Bezahlung durch die Kunden ein. Die Höhe dieses Anteils kann von Angebot zu Angebot deutlich variieren.

Die Entscheidung ob Inhouse-Factoring oder Full-Service-Factoring ist in erster Linie eine Kostenfrage. Beim kostengünstigeren Inhouse-Factoring übernimmt die Factoringgesellschaft nur die Forderungsfinanzierung und den Schutz gegen Forderungsausfälle. Die Überwachung der fristgemäßen Zahlungseingänge und das Mahnwesen verbleiben beim Unternehmen, das es treuhänderisch für den Factor führt. Beim Full-Service-Factoring übernimmt der Factoringanbieter zusätzlich das gesamte Forderungsmanagement. Das Unternehmen selbst muss sich dann – was die verkauften Forderungen angeht -um nichts mehr kümmern.

Positiver bilanzieller Effekt!

Factoring bietet einen weiteren entscheidenden Vorteil: Durch den Verkauf der Forderungen verschwinden diese aus der Bilanz. Dadurch verringert sich die Bilanzsumme und gleichzeitig steigt die Eigenkapitalquote. Mit der Eigenkapitalquote steigt die Kreditwürdigkeit und die Ratingnote verbessert sich. Damit kann Factoring die Verhandlungsposition  gegenüber den Banken stärken.

Alle Effekte im Auge behalten!

Im direkten Kostenvergleich zur Kontokorrentkreditlinie schneidet Factoring auf den ersten Blick schlechter ab. Zu den Zinskosten, die die Factoringgesellschaft für den Zeitraum vom Ankauf der Forderung bis zum Geldeingang erhebt, kommt eine Factoringgebühr von bis zu 3,5 % der Rechnungssumme. Dagegen stehen der schnelle Zahlungseingang, der wiederum die Ausnutzung von Skonti und Rabatten ermöglicht, der Schutz vor Forderungsausfällen und die zunehmende Unabhängigkeit von Bankkrediten.  Wie es tatsächlich unterm Strich aussieht, kann nur anhand konkreter Angebote beurteilt werden und hängt immer vom Einzelfall ab.

Die Elektronik GmbH konnte mittels Factoring ihren Liquiditätsengpass überwinden und ihr Wachstum ungebremst fortsetzen. Für die jetzt notwendigen Erweiterungsinvestitionen hat sie durch die gute Ertragslage und verbesserte Eigenkapitalquote ein tragfähiges Fundament für die anstehenden Bankverhandlungen geschaffen.

 

Bildquelle: geralt – pixabay.com

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