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Keine Frage: Wir brauchen für kleine und mittlere Unternehmen dringend Alternativen zum Bankkredit. Vor allem solche Alternativen, die wirtschaftliches Eigenkapital in die Unternehmen bringen. Denn bei überwiegender Kreditfinanzierung stoßen gerade innovative Wachstumsunternehmen schnell an ihre Grenzen. Außerdem haften die Unternehmer in der Regel selbst mit Haut und Haaren für die Kredite. Geht etwas schief, stehen sie vor einem wirtschaftlichen Scherbenhaufen. Und das kann sich ein Land wie Deutschland auf Dauer nicht leisten. Gerade die inhabergeführten kleinen und mittleren Unternehmen sind flexibel genug, um innovative Ideen voranzutreiben und zügig umzusetzen. Vorausgesetzt sie haben das notwendige Geld dafür.

 

Mezzanine-Kapital als eine Lösungsmöglichkeit

Mezzanine-Kapital (z.B. Genussrechte, stille Beteiligungen, Nachrangdarlehen) kann auch für kleine und mittlere Unternehmen durchaus eine Finanzierungsoption sein. Bei entsprechender Gestaltung hinsichtlich Haftung und Laufzeit werden diese Finanzierungen als wirtschaftliches Eigenkapital gewertet. Damit verbesserte sich die Kapitalstruktur des Unternehmens. Das wirkt sich nicht nur positiv auf das Bankenrating aus, sondern bietet auch einen Puffer vor bilanzieller Überschuldung.

 

Großzügig interpretierte Gesetzeslücken

Gerade die Ausgabe von Genussrechten und stillen Beteiligungen erfreuen sich in den letzten Jahren steigender Beliebtheit. Bis zu einem Gesamtbetrag von maximal 100.000€ ist das ohne großen Aufwand möglich. Bei darüber hinausgehenden Beträgen ist ein Anlageprospekt zu erstellen, der von der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) genehmigt werden muss. Allerdings gibt es für diese Höchstbetragsregelung eine Reihe von Ausnahmen, die von einigen Unternehmen bisweilen allzu großzügig ausgenutzt wurden und werden. Diese Regelungslücken will das Bundesministerium für Finanzen mit einem „Maßnahmenpaket zur Verbesserung des Schutzes von Kleinanlegern“ jetzt schließen.

 

Eindeutige Regelungen sind wichtig

Natürlich geht jetzt ein Aufschrei durch die betroffenen Interessensgruppen, angesichts der vermeintlichen Regulierungswut deutscher Behörden. Vor allem aber im Interesse der kapitalsuchenden Unternehmen halte ich eindeutige Vorschriften aus zwei Gründen für wünschenswert.

 

1. Das richtet Schaden an

Gerade in letzter Zeit sind mir sogenannte „Beteiligungs-Exposés“ von Firmen in die Hände gekommen, über die ich schlichtweg entsetzt bin. Davon abgesehen, dass beispielsweise überzeugende Argumente komplett fehlen, wie die versprochenen Renditen erreicht werden sollen, stecken die Planrechnungen nicht selten voller Fehler.

Schon klar, dass es für Planrechnungen keine zwingenden Vorschriften gibt. Aber wenn hier der Fantasie freien Lauf gelassen wird, sind die Planungen wertlos, da die tatsächliche Rechnungslegung dann ganz anders aussehen wird. Wenn beispielsweise einzelne Planjahre einfach ausgelassen werden oder in der Planbilanz andere Beteiligungssummen ausgewiesen sind, als im Textteil angegeben, frage ich mich schon, ob hier nur Dilettanten oder doch Betrüger am Werk sind. Solche Exposés würden niemals eine BaFin-Genehmigung bekommen und schaden vor allem den kompetenten und ehrlichen Unternehmen.

 

2. Mehr Rechtssicherheit

Die BaFin kennt keinen Spaß, wenn sie von Finanzierungen Wind bekommt, die widerrechtlich ohne Genehmigung durchgeführt wurden. So zum Beispiel beim oberfränkischen Pralinenhersteller Confiserie Burg Lauenstein GmbH. Seit 2003 finanziert sich das Unternehmen zum Teil über die Ausgabe von Genussscheinen an ihre Kunden. Die Genussscheinzeichner konnten zwischen einem Geldzins und einem doppelt so hohen „Pralinenzins“ (ein Genussschein im wahrsten Sinne des Wortes also) wählen. Eine attraktive und durchaus sinnvolle Lösung für beide Seiten, sofern sich das Ganze im vorgegebenen Rahmen abspielt. In diesem Fall hat die BaFin offensichtlich die Grenzen für überschritten angesehen und das Unternehmen verpflichtet, „die Gelder unverzüglich und vollständig an die Kapitalgeber zurückzuzahlen“.

Das ist der Worst-Case für jedes Unternehmen, denn das eingeworbene Geld liegt ja nicht frei auf Konten, sondern ist in den verschiedensten Investitionen gebunden. Mag es gestandenen Unternehmen mit entsprechender Substanz noch relativ problemlos gelingen, die notwendige Refinanzierung zu bekommen, für junge Unternehmen ohne ausreichende Reserven kann so etwas schnell das Aus bedeuten.

 

Fazit

Es ist mehr als fraglich, ob auch noch so strenge Regularien Kleinanleger vor ihrer eigenen Gier nach möglichst hohen Renditen schützen können. Aber zumindest für Unternehmen bieten klare Regelungen ein Stück Sicherheit – vor unlauteren Wettbewerbern und vor bösen Überraschungen.

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